Braunschweig, 05. April 2019
Stellungnahme des Kultviertels

Die Interessengemeinschaft Friedrich-Wilhelm-Viertel e. V., kurz Kultviertel, die mehr als 50 Einzelhändler, Gastronomen, Agenturen, Immobilieneigentümer, Kreativdienstleister & Co. des Quartiers vertritt, begrüßt sehr, dass der Rat der Stadt Braunschweig im Haushalt 2019 den Neubau einer Toilettenanlage im Kultviertel beschlossen und dies mit entsprechenden Haushaltsmitteln vorgesehen hat.

Zu der aktuellen Diskussion um den geplanten Aufbau äußern wir uns folgend. Seit vielen Jahren schon fordern wir eine öffentliche Toilettenanlage für das Kultviertel – Braunschweigs Kiez, in dem allwöchentlich vor allem zwischen Donnerstagabend und Sonntagfrüh Tausende das Nachtleben im Viertel wahrnehmen. Die Aufstellung einer Toilettenanlage mag eine freiwillige Leistung der Kommune sein, an dieser Stelle ist sie dringend notwendig. Das belegen auch unzählige Beschwerden von Hauseigentümern, Hausverwaltungen, Anwohnern, Ladenbetreibern und auch Gastronomen, die die Straßenecken, Hausdurchgänge oder auch Schaufenster morgens oft von Unrat befreien oder reinigen müssen. Nicht zuletzt ist eine öffentliche Toilettenanlage im Sinne der vielen Nachtschwärmer, die das urbane Leben in der Innenstadt – das wesentlicher Teil einer
Großstadt ist – genießen.

In Abstimmung mit den entsprechenden Fachbereichen der Stadtverwaltung (und unter Einbeziehung einer Ortsbegehung) sind drei mögliche Standorte forciert worden: Der Wendekreisel am Parkhaus Wallstraße, der Friedrich-Wilhelm-Platz sowie das Umfeld der historischen Stadtmauer (Ecke Prinzenweg / Gieseler).

Aus einer Pressemitteilung der Stadt Braunschweig erfuhren wir, das der Wendekreisel offenbar favorisiert wird. Aus unserer Sicht ist das die unglücklichste Lösung. Die neue Toilettenanlage soll hoffentlich auch stark von den allwöchentlichen Nachtschwärmern in Anspruch genommen werden – aufgrund des Umfeldes des Wendekreisels, zwischen schwacher Ausleuchtung, Kriminalitätsschwerpunkt und Bruchstraße, befürchten wir, dass insbesondere junge oder weibliche Gäste des Viertels das Angebot nicht wahrnehmen.

Wir favorisieren derweil einen Standort im Umfeld der historischen Stadtmauer (Gieseler, Prinzenweg) und bitten in diesem Zuge, diesen Standort noch einmal intensiv zu prüfen – gerne mit unserer Unterstützung – sowie auch den naheliegenden Parkplatz Südstraße in die Überlegungen einzubeziehen.

Eine Aufstellung der Toilettenanlage auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz könnte all die gemeinsamen Bemühungen von Stadtverwaltung, Stadtmarketing, Kultviertel und diversen Veranstaltern zunichtemachen, auf dem Platz eine größere Aufenthaltsqualität sowie Atmosphäre zu erzeugen sowie den Platz durch passende Veranstaltungsformate zu beleben. In den vergangenen Jahren wurde seitens der Stadt viel Geld in die Umgestaltung des Platzes investiert, um genau dieses Ziel zu unterstützen.

Der Friedrich-Wilhelm-Platz bietet ohnehin nur eine sehr begrenzte zu bespielende Fläche, durch die Aufstellung einer zusätzlichen Toilettenanlage könnte der Platz für einige Veranstalter oder Aktivitäten unbespielbar werden.

Mit Blick auf den Friedrich-Wilhelm-Platz plädieren wir stattdessen dafür, die Diskussion um diesen Standort von der geplanten Aufstellung einer Anlage im Kultviertel in 2019 (hier favorisieren wir, wie gesagt, das Umfeld der historischen Stadtmauer) zu lösen, und die Debatte um diesen Standort stattdessen in neuem konzeptionellen Ansatz zu führen. Was der Friedrich-Wilhelm-Platz dringend benötigt, ist eine weitere Aufenthaltsqualität. Deshalb stellen wir eine Kombinationslösung aus einer kleineren Toilettenanlage und Tagescafé auf dem Platz in den Raum. Erste Interessentenanfragen dazu liegen der Quartiersinitiative bereits vor, sowie ein für den Haushalt der Stadt Braunschweig sehr kostensensibler Vorschlag eines bundesweit tätigen Dienstleistungsunternehmens, die Toilettenanlagen betreiben. Es wäre gar denkbar, gemeinsam einen zweijährigen Testzeitraum zu definieren. Beispielvisualisierungen dazu finden Sie anbei.

Das Kultviertel bittet die einbezogenen Fachbereiche der Stadt Braunschweig und die Politik um eine Nachjustierung der Planungen und steht für einen weiteren Austausch gern zur Verfügung.

Bildnachweis:
Allgemeine Konzeptstudie von SANIFAIR für Innenstadtbereiche